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Portrait - Heinz M. (56)


Ich dachte nie, dass mir das passieren könnte und erst mal glaubte ich auch lange Zeit gar nicht, dass etwas passiert war. Vielleicht deswegen, weil alles so normal anfing. Mit 15 wusste ich nicht, was ich nach der Schule zuhause soll und ich hatte keinen Bock mich von meinen Eltern anmachen zu lassen, also hing ich mit Freunden ab - anfangs bei Freunden zuhause, dann immer häufiger in der Stadt und auf Kinderspielplätzen. Mit 16 wusste ich nicht mehr, warum ich mich von den Lehrern anmachen lassen sollte und ging erst immer weniger, dann gar nicht mehr in die Schule.

Der Druck, der daraus resultierte, bekräftigte mich nur immer wieder darin, nicht mehr nachhause oder in die Schule zu gehen. Wenn ich schon immer - anfangs nur aus Spaß - Bier trank, trank ich jetzt weder aus Spaß noch nur am Abend mit Freunden, sondern immer früher und mehr am Tag und öfter alleine. Ich kam nicht auf die Idee, dass es mir schaden würde bzw. glaubte ich daran, dass ich alles im Griff hätte und ich mich nur in einer vorübergehenden Phase befände. Später wollte ich eine coole Arbeit, eine Familie haben und all das.

Immer mehr Menschen sagten, ich hätte ein Problem und müsse etwas tun. Ich sah das lange ganz anders. Nachhause gehen konnte ich mitlerweile nicht mehr und mein Geld erbettelte ich mir in der Fußgängerzone, teilweise musste ich klauen gehen und brach bestimmt mehr als hundert Autos zusammen mit sogenannten Freunden auf, um das nötige Kleingeld zusammen zu kriegen, um aller erstens meine Sucht zu finanzieren.

Ich war immer mehr in Trouble und irgendwann bot mir einer Drogen an. Berauscht vom Alkohol versprach ich mir von dem Zeug tatsächlich Erlösung. Etwa sechs Jahre später war ich komplett unten. Die Bullen griffen mich regelmäßig auf, ansonsten war ich auf der Straße.

Irgendwann erzählte mir jemand von der Herberge, in der Leute wie ich unterkommen können. Irgendwie bin ich dahin gekommen und ich hörte das erste Mal von der Möglichkeit, Geld zum Wohnen und Leben zu bekommen und in ein eigenes Zimmer zu ziehen. Die Leute dort waren o.k. zu mir - zuerst ließen sie mich mal ganz in Ruhe und später boten sie mir verschiedene Wege an, wie ich besser leben könnte. Ich muss zugeben, dass ich anfangs nichts davon wissen wollte und einfach nur froh war, im Winter nicht mehr draußen übernachten zu müssen und irgendwie in Sicherheit zu sein. Später wollte ich was ändern und ich habe allerdings einige Anläufe gebraucht, bis ich heute klar bin.

Ich nehme heute keine Drogen mehr, weiß aber um die Anfälligkeit von mir - ich werde wohl mein Leben lang besser auf mich achten müssen. Auch deswegen wohne ich noch weiterhin in der Herberge und arbeite sogar neuerdings mit bei den Bauwerkern der neuen arbeit. Trotz fehlendem Schulabschluss kann ich da echt was bringen - mein Tag hat eine neue Struktur, aber bis dahin zu kommen, war es ein sehr weiter Weg. Den Weg habe ich mit einer Menge Hilfe von den Leuten in der Herberge geschafft - dafür bin ich dankbar.