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Portrait - Carola S. (29)

Bei mir war es ein ganz dummer Zufall, dass ich in die Herberge gekommen bin.
Eigentlich wollte ich eine Drogentherapie im Umkreis von Lüneburg machen. Nach ungefähr sieben oder acht Monaten hatte ich auf der Therapie einen Alkoholrückfall und habe die Therapie selbstständig abgebrochen.

Zu der Zeit habe ich auch einen Freund gehabt, den ich auf Therapie kennen lernte. Auch er brach dann die Therapie ab. In kürzester Zeit suchten und fanden wir auch eine kleine Wohnung. Sie war in einem kleinen Einfamilienhaus. Was wir nicht wussten, war, dass der Sohn drogenabhängig ist und auch zu der Zeit war. Lange ging alles gut. Doch dann sind mein Freund und ich auch wieder auf Heroin und Tabletten rückfällig geworden. Wir haben den Überblick über die Finanzen verloren und später natürlich alles. Wir bekamen die fristlose Kündigung und so weiter. Wir hatten kleine Summen Schulden, kein Dach über dem Kopf und dann waren wir auch noch drogenabhängig. Freunde, die uns vielleicht da raus helfen konnten hatten wir auch nicht. Wir kannten ja kaum welche außerhalb der Drogenszene.

Ich bin dann mit meinem Freund auf der Straße gelandet. Und die einzige Chance, ein Dach über den Kopf zu haben, war die Herberge zur Heimat. Dort bekamen wir ein kleines Zimmer in einer WG . wir waren froh wenigstens etwas zu haben!
Plötzlich musste ich aber ins Gefängnis, in die Untersuchungshaft, weil die Herberge nicht als fester Wohnsitz gilt. Ich war erst in Untersuchungshaft und musste dann noch eine Geldstrafe absitzen.

Als ich aus dem Knast kam, hatte mein damaliger Freund eine andere Frau. Ich war total fertig und fing wieder bei Null an. Ich bin für einen Monat wieder total rückfällig geworden. Nach etwa einem Monat bin ich dann freiwillig ins Methadonprogramm gegangen, wo ich auch heute noch substituiert werde. Jetzt brach ich nach und nach den Kontakt zu anderen Szeneleuten ab, weil ich wieder ein einigermaßen normales Leben führen wollte.

Heute habe ich einen netten Freund, der mir auch bei vielen Dingen sehr hilft. Aber vor allem hilft er mir, den Abstand zu den Drogen und Szeneleuten zu halten!
Jetzt, da ich wieder einigermaßen auf den Beinen bin, bekomme ich auch innerhalb der nächsten vier Wochen eine kleine eigene Wohnung, worauf ich mich schon wahnsinnig freue. Der einzige Wunsch, den ich noch habe, ist ein Betrieb, der mich aufnimmt und in dem ich meine Ausbildung beenden kann. Und dann will ich mit aller Kraft versuchen ein normales und geregeltes Leben zu führen.

Na ja, solch ein fall wie meiner, ähnliche und natürlich auch schwierigere Fälle werden hier in der Herberge aufgenommen und leben für eine gewisse Zeit hier. Aber trotz allem bin ich froh und sollten auch alle anderen Menschen froh sein, dass es solch eine Einrichtung gibt. Denn jeder kann mal in eine bestimmte Situation kommen, so eine oder eine ähnliche Einrichtung wie diese nutzen zu müssen.