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Neues Mauerwerk für Lüneburgs Herberge

Aktuelles


Endspurt vorm Winter, Landeszeitung, 04.11.2017 (pdf)



Historische Mauer wird nun doch restauriert, Landeszeitung, 20.09.2017 (pdf)

Eine Untersuchung der alten Ziegel der denkmalgeschützten Umfriedungsmauer der Herberge plus durch das Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege bestätigte, was schon seit einiger Zeit vermutet wurde: Zumindest auf dem 73 m langen Abschnitt links vom Torbogen geht kein Weg am Rückbau vorbei. Ausgehend von diesen Rahmenbedingungen haben Herbergsverein und das Architekturbüro Esfandiary, das für die fachliche Betreuung dieses Projekts gewonnen werden konnte, einen Sanierungsplan entwickelt, der im Sommer 2017 von der untereren Denkmalschutzbehörde genehmigt wurde. Parallel wurden Gespräche mit potentiellen Partnern geführt und im Spätsommer zeichnete sich ab, dass die Arbeiten doch noch in diesem Jahr beginnen konnten.

Los ging es Mitte September mit dem 73 Meter langen Mauerabschnitt links vom Tor. Dank einer Kooperation mit den Bauinnungen der Kreishandwerkerschaft und der Innung des Kreises Harburg konnten in einem knapp zweiwöchigen Einsatz bereits die alten Ziegel abgetragen werden, die frei bzw. mit Handausschachtungen zugänglich waren. Auszubildenende im 2. Lehrjahr arbeiteten weitgehend ohne Maschineneinsatz, um Ziegel für Ziegel auf Wiederverwertbarkeit prüfen zu können. Unter der Anleitung von Rainer Diederichs und Jürgen Meyer vom Technologiezentrum der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade begann die überörtliche Lehrlingsunterweisung auf diese Art praxisnah, weitere Lerninhalte, die die Mauersanierung nicht abdecken, werden wie gewohnt im Technologiezentrum vermittelt.

Im Oktober wird das Erdreich, das auf der Hofseite gegen das Mauerwerk drückt, unter Maschineneinsatz abgetragen werden. Die so freigelegten Mauerreste werden dann im November mit einer dritten Azubi-Gruppe bearbeitet. Wiederverwendbare Ziegel werden im "Steinelager" sorgsam aufgeschichtet, restliches Material über die Firma Manzke entsorgt. Vorab kommt zunächst für vier Tage Unterstützung durch die Mobile Einsatztruppe der Jugendbauhütte im Landkreis Stade. Hierbei handelt es sich um junge Menschen, die ihr Freiweilliges Soziales Jahr im Denkmalschutz verbringen. Weitere Einsätze im nächsten Jahr sind geplant.

Sobald die Witterung es zulässt, werden auch die 33 Bauhandwerker- Lehrlinge dieses Jahrgangs nach der Winterpause gruppenweise zum Benedikt zurückkehren, um dann in Wochenblöcken zu lernen, wie historisches Verblendmauerwerk im Kreuzverband gemauert werden muss. Die Mauer wird in ihrer ursprünglichen Höhe mit 1,18 m wieder aufgemauert werden. Die wiederverwendbaren Ziegel werden mit historischen Ziegeln aus anderen Rückbaumaßnahmen gemischt werden. Für diese Zwecke prüft der Herbergsverein zurzeit verschiedene Quellen. Familien aus dem Roten Feld und dem Roten Tor aus Lüneburg haben bereits kleinere Mengen Ziegel angeboten, der Herbergsverein ist dankbar über weitere Materialspenden. Die neue Mauer wird wieder ein Dach erhalten, hier werden Berufschüler der Georg Sonnin Schule (BBS II) unterstützen und im Rahmen ihres Unterrichts Schalungen bauen, mit denen neue Betonabdeckungen gegossen werden können. Diese werden die noch vorhandnen Sandsteinabdeckungen ergänzen.

Der Weg der Sanierung dieses ersten und baufälligsten Abschnitts ist somit klar beschrieben. Doch die denkmalgeschütze Mauer umfasst noch zwei weitere Abschnitte. Das Portal mit der Hofeinfahrt sowie der Abschnitt zwischen Tor und Nachbargrundstück sind im besseren Zustand. Mit der Restaurierung sollen Lüneburger Fachbetriebe beauftragt werden, bei der Finanzierung dieser Auftragsarbeiten hofft der Herbergsverein auf Stiftungsgelder und weitere Spenden.

Der Herbergsverein dankt seinen Unterstützern:

Innung des Bauhandwerks Uelzen/Lüchow-Dannenberg
Baugewerke-Innung Celle
Innung des Bauhandwerks Lüneburg
Bau-Innung Soltau-Fallingbostel
http://handwerk-lueneburgerheide.de/InnungenMitglieder/InnungenAbisK/BaugewerkenInnungen.aspx

Baugewerke-Innung des Kreises Harburg
Kreishandwerkerschaft Lüneburger Heide
http://www.handwerk-lk-harburg.de/handwerkersuche-maurer-49.html

Technologiezentrum Lüneburg der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung
https://bildungszentren.hwk-bls.de/de/uberbetriebliche-lehrlingsunterweisung

esfandiary möller architekten
http://www.em-architekten.de/

Arbeitskreis Lüneburger Altstadt e.V.
http://www.alaev-lueneburg.de/

Hansestadt Lüneburg, Amt für Denkmalpflege
https://www.hansestadtlueneburg.de/Home-Hansestadt-Lueneburg/Stadt-und-Politik/Verwaltungsstruktur-hansestadt-lueneburg/Bauaufsicht-Denkmalpflege.aspx

Georg Sonnin Schule, Lüneburg (BBS II)
http://georg-sonnin-schule.de/?page_id=69

Jugendbauhütte im Landkreis Stade
www.ijgd.de

Wir danken ferner der Fa. Marwitz, die die Lehrlinge mit wärmenden Arbeitsjacken ausstattet und den Herbergsverein mit einer Geldspende unterstützt.


Zum Hinterdrund
Jeder Lüneburger kennt es - das Gebäude für die "Herberge zur Heimat"- heute heißt sie "Herberge plus". Sie liegt am Fuße des Kalkbergs, der eigentlich ein Gipsberg ist und heute als Naturschutzgebiet innenstadtnah Spazier-, Informations- und Erholungsmöglichkeiten bietet. Immer noch ermöglicht eine kleine Aussichtsplattform wunderbare Ausblicke über Lüneburg - obwohl der Berg ursprünglich 10 mal höher war bevor der Gips hier in vorigen Jahrhunderten im großen Stil abgebaut wurde. In der Zeit zwischen 1837- 79 wurde am Fuße des Kalkbergs in der Straße "Beim Benedikt/Sülzwall" eine Kettenstrafanstalt erbaut, deren Insassen im Gipsbruch arbeiten mussten. "Den Gebäudekomplex begrenzt eine hohe Einfriedung aus über einem Findlingssockel aufgeführten Backsteinmauern mit Pfeilervorlagen und einem Bogenportal gegenüber dem Zellenflügel…"
(Böker , D. Denkmaltopographie Hansestadt Lüneburg, 2010)

1921 endete der Gipsabbau, die Gebäude wurden zur Jugendherberge umgebaut. "Im Zuge dessen wurde die Zuchthausmauer 1931 niedergelegt und eine niedrige Einfriedungsmauer (ohne Pfeiler), möglicherweise aus geborgenen Steinen, aufgerichtet. Der Feldsteinsockel gehört wohl noch zur ursprünglichen Gestalt der Mauer."
(Prof. (apl.) Dr. Werner H. Preuß, Mitglied im Arbeitskreis Lüneburger Altstadt, 2015) : ((Foto: 1915_Beim Benedikt 1_Krüger, Franz_ Lüneburg_1928) Vgl. Lüneburgsche Anzeigen, 15.01.1931: "Von der Strafanstalt zur Jugendherberge"; LA 04.07.1931, Ulrich Werther: "Vom Zuchthaus zur Jugendherberge" mit Zeichnung; LA 29.12.1932: "Die Entwicklung der Lüneburger Jugendherberge")."

In dieser Form ist sie bis heute erhalten. "Bis 1939 wurden die Gebäude als Jugendherberge genutzt, später als Flüchtlingsquartier; seit 1968 betreibt der Herbergsverein Lüneburg e.V. im ehemaligen Zellenflügel ein Obdachlosenheim. Trotz mehrerer nutzungsbedingter Umbaumaßnahmen stellen die Gebäude nahe dem Kalkberg noch heute ein anschauliches Beispiel eines Gefängnisbaus des 19. Jh. und ein wichtiges sozial-, bau- und stadtgeschichtliches Zeugnis dar."
(Böker, D. Denkmaltopographie Hansestadt Lüneburg, 2010)

So handelt es sich bei der Herberge plus nicht nur um eine Obdachlosenunterkunft, sondern die Gebäude und das dazugehörige Gelände prägen das Lüneburger Stadtbild zwischen Kalkberg und Altstadt. Daher wurde das Areal unter Denkmalschutz gestellt - auch die Umfriedungsmauer, die über die Jahre durch fehlende Mauerabdeckungen, Wasser und Frost schadhaft geworden ist.

Spenden, eine Unterstützung mit Know-How, Sachmitteln oder Arbeitsleistung sind weiterhin willkommen.
Schicken Sie uns einfach eine Mail. Wir freuen uns über jeden Hinweis und jede Aktivität, die zu einer gelungenen Restaurierung der Mauer beitragen kann.

 

Spendenkonto

Sparkasse Lüneburg
IBAN DE94 2405 0110 0050 0183 99
BIC NOLADE21LBG
Verwendungszweck: Sülzmauer

 

Kontakt

Herbergsverein - Wohnen und Leben e. V.
Dörthe Grimm
Projektmanagement

Beim Benedikt 8 a
21335 Lüneburg

Tel 04131.2072-64
Fax 04131.2072-30
d.grimm@herbergsverein.de
www.herbergsverein.de

 

Historie

„Mauer – lieb und teuer“, Landeszeitung, 18.3.2017 (pdf)

Die Mauer muss weg, LZ , 16. Juni 2016,
http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/337517-die-mauer-muss-weg

Mauerwelten: bunte Lückenfüller für altes Bollwerk, LZ, 21. April 2016
http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/322347-mauer-beim-benedikt-bekommt-bunte-lueckenfueller

Herbergsverein: Einsatz für alte Mauer, LZ, 23. November 2015,
http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/282036-herbergsverein-einsatz-fuer-alte-mauer

Der Herbergsverein - Wohnen und Leben e. V. ist als diakonischer Träger der freien Wohlfahrtspflege in unterschiedlichen sozialen Handlungsfeldern im nordöstlichen Niedersachsen tätig. Der Verein hat die Aufgabe, Personen in Lebensverhältnissen, die mit sozialen Schwierigkeiten verbunden sind, Menschen mit Behinderung oder bei drohender Behinderung, junge Menschen die der Erziehung oder anderer Jugendhilfe bedürfen, Menschen ohne Arbeit mit erheblichen Benachteiligungen am Arbeitsmarkt zu begleiten und zu fördern.

Dazu gehören Hilfen bei der Beschaffung oder dem Erhalt einer Wohnung, Hilfen bei der Erlangung und Sicherung eines Arbeitsplatzes oder anderer nützlicher Tätigkeit, Hilfen zur Sicherung der Existenz, Hilfen zur Teilhabe am gesellschaftlichen kulturellen, politischen, sozialen und religiösen Leben, Hilfen zur gesundheitlichen Versorgung und Gesundheitsförderung.